Freitag, 1. Januar 2010

Hinter der Maske


Ich hasse Silvester. Alle denken über das Jahr nach, und das, welches sie noch vor sich haben. Alle machen sich gegenseitig aufgeregt, Feste planen, Raketen, peng peng, bunt und glücklich. Sekt, Vorsätze, Fondue und co.
Bei mir ist Silvester anders. Der symbolische Neuanfang bringt mich jedes Mal aufs neue zum Nachdenken.

Nichts wird so sein wie vorher. Dieses Jahr war das schönste meines Lebens! Diese einen 4 Monate haben es zu dem gemacht, dem ich jetzt nachtrauere. Die Zeit war perfekt. Ohne Sorgen, mit all den Freunden und Lieben auf einer Wiese und den Sternen zugucken. Trinken, lachen, schweigen, reden. Und zusätzlich noch er.

Verliebt habe ich mich. Was zuerst nur eine simple Schwärmerei steht jetzt ganz klar als Liebe da. Vor Freunden oder Familie würde ich es nie zugeben. Angriffsfläche und Verletzungsgefahr. Zurückweisung ist das Schlimmste in meinen Augen. Die Enttäuschung, die ich nicht verkaften würde.
Und was erfahre ich vor Wochen? Wo ist er wohl an Silvester? Mit IHR im Skiurlaub. Mit ihr. Sie sind zwar nicht zusammen und sie ist vergeben, aber jeder, wirklich jeder weiß, dass er was von ihr will.
Wieso macht er mir solche Hoffnungen, jedes Mal aufs Neue und dann erfahre ich sowas.
"Frohes neues Jahr. Ich liebe dich." Hätte so schön geklungen. Hätte ich es doch sagen können.
Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mich das eh nicht getraut. Ich weiß, dass er mich mag. Er weiß, dass ich ihn mag. Und er gibt dauernd Zeichen. Bin ich die Zweitbesetzung? Will er erstmal testen wie's bei ihr läuft und dann kommt er erst zu mir? - Klingt erbärmlich, aber das wäre mir sogar Recht. Hauptsache er kommt zu mir. Irgendwann.

Das ist einer der Gedanken, der mich traurig stimmt. Ebenso, dass meine Freundinnen extrem sauer sind, dass ich Silvester nicht mit ihnen feiere. Wenn es bei meiner Familie momentan kriselt (und das tut es gewaltig!), dann habe ich nunmal nicht besonders Lust mich zu besaufen. Tut mir Leid.

Ich bin anders, als alle denken. Ich bin nicht so, wie ich scheine. Bei Facebook kam letztens die Frage "Glaubst du NAME kennt dich so gut, wie du selbst?". Garantiert NICHT. Das tut niemand. Nicht meine Mutter, nicht meine beste Freundin.
Niemand weiß, wie ich wirklich denke und über Probleme rede ich ungern. Ich muss Sachen einfach mit mir alleine klären. Ich hasse es, wenn sich da jemand zu sehr einmischt, so nett es auch gemeint ist.
Hinter dem Lächeln, dem Lachen und dem Weinen steckt viel mehr. Sehr viel mehr, was wohl kaum jemand zu Gesicht bekommen wird. Aber das ist auch gut so.

Ich bin viel verletzlicher, als alle glauben. Ich bin nachdenklicher. Unglücklicher.
Meine Freunde trauern immer "Oh Gott, er hat sich nicht bei mir gemeldet blabla" und ich bin immer die Coole, die sagt "Hey, nimm dir doch nicht alles zu Herzen!". Wenn M. wieder klagt, wie dick sie doch sei, bin ich es, die ihr sagt, dass sie mit ihrem Leben und vorallem mit sich selbst so glücklich sein soll, wie es ist. Ich habe gute Noten. Bin optimistisch. Meine Familie scheint zusammenzuhalten. Habe seit Jahren eine beste Freundin. Höflich. Pflege alte Freundschaften. Eine eigene Meinung. Bin engagiert. Helfe gerne.
Ja. So bin ich für alle. Sowas von gegenteilig.

Will nicht jammern, bin ja selber Schuld. Finde es auch gut so. Ich will nicht, dass mich andere sehr gut kennen, vielleicht sogar besser als ich mich selbst. Dann bin ich berechenbar.
Andere sind das nämlich. Ich analysiere sie und komme zu arroganten Ergebnissen, die sie alle runterstufen. Wie würde mich jemand analysieren, wenn ich genug preisgeben würde?

Alles wird anders sein. Alles! Veränderungen sind gut, aber nicht diese eine.
Ich habe kein Silvesterfest so viel geheult, wie dieses.

Genug für heute.

behind the lines

Kommentare:

  1. Ich habe das Gefühl, sogar du kennst mich in manchen Teilen besser als sonst jemand um mich rum. Ich bin froh darüber, dass es Menschen gibt, dennen es auch so geht wie mir. Eigentlich ist das eher bemitleidenswert und falsch so zu denken. Aber wenn ich ehrlich bin, macht es das Leben wirklich leichter, wenn man weiß, dass man nicht allein ist mit diesem Problem. Danke für deine Offenheit.

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  2. Sehr guter Text, in dem man sich absolut wiederfindet!

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  3. dankesehr! das wünsche ich dir auch, von ganzem herzen.

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  4. So ging es mir vor nem halben Jahr auch mal, dass ich dachte, niemand versteht mich.
    Aber das ging wieder vorbei und ich hoffe, dass das bei dir auch so sein würd.
    Liebe Grüße, Natascha vom Blog:

    http://fullmoonsblog.blogspot.com/

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  5. Ein wunderbarer Post. Endlch mal etwas, hinter dem auch ein wirklicher Gedanke steckt.
    Ich hasse nichts mehr als dieses oberflächliche Geplänkel, das in fast jedem Blog zu finden ist.

    Liebste Grüße.
    Ricarda.

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  6. Mir gefallen die Bilder sehr gut!
    Wenn du Lust hast, könntest du mal meinen letzten Post lesen und bei der Abstimmung mitmachen, falls du das nicht schon getan hast.
    Wär wirklich super. Danke!
    http://fullmoonsblog.blogspot.com

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  7. wow. ein sehr schöner, tiefgründiger Post. Die Bilder gefallen mir, und deine Art zu schreiben auch.

    'Hinter der Maske' Ja, so fühle ich mich auch. Bloß nicht seine verletzliche Seite zeigen. Stark sein. Fest im Leben stehen. Die Tränen kommen dann immer in der Nacht.

    Liebe Grüße
    Sarah

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  8. Oh ja. Ich habe auch geheult. Und auch gerade darüber geschrieben. Aber bei mir kam das nicht so rüber. Wie bei dir. Dieser Text ist grossartig.
    Bleib stark, meine Liebe. Wir müssen es bleiben. Und du schaffst das. Ich glaube an dich.

    Und ich danke dir für das Kompliment.

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  9. Ja, ich kann mich in dieser Geschichte auch sehr gut selbst erkennen, mein Silvester vor 2 Jahren war genauso. Mein Silvester dieses Jahr war genau andersrum...ich bin diesmal die Böse, die die unsicher ist und nur antestet. So schnell ändert sich alles.

    Hübscher Blog!

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  10. aww :(
    silvester ist nicht der beste tag, das stimmt.

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  11. hm du hast so recht irgendwie..mir ging es bis vor ein paar jahren auch immer so..
    aber versuch das beste drauß zu machen..
    und irgendwann kanst du silvester vielleicht als neuanfang sehen?

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Danke für das Feedback!

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